
04.07.26. Menschen nach einem schweren Unfall, einem Gewaltverbrechen oder einer anderen belastenden Situation berichten manchmal, dass sie sich „wie neben sich“ fühlen. Sie erleben ihren Körper oder ihre Umgebung als fremd oder unwirklich. Fachleute sprechen in solchen Fällen von Depersonalisation beziehungsweise Derealisation. Beides sind Formen der Dissoziation. Eine jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt, dass ähnliche Erfahrungen auch während oder nach einer Meditation auftreten können.
Ähnliche Symptome – unterschiedliche Bewertung
Für die Untersuchung befragten Forschende 121 Personen. Eine Gruppe berichtete von Depersonalisations- oder Derealisationserfahrungen nach Meditation, die andere nach Auslösern wie Trauma, Stress, Angst oder Depression.
Die eigentlichen Symptome unterschieden sich zwischen beiden Gruppen kaum. Viele beschrieben das Gefühl, sich selbst oder die Umwelt als fremd oder unwirklich wahrzunehmen. Deutlich verschieden war jedoch die Bewertung dieser Erfahrungen: Menschen nach Meditation beschrieben sie häufiger als sinnvoll, spirituell oder angenehm. Gleichzeitig berichtete jedoch auch ein Teil der Teilnehmenden von belastenden oder beängstigenden Erlebnissen. Nach belastenden Lebensereignissen wurden die Symptome insgesamt deutlich häufiger als negativ erlebt.
Nicht nur das Erleben zählt
Warum sich ähnliche Erfahrungen so unterschiedlich bewertet werden, lässt sich mit der Studie nicht beantworten. Die Forschenden vermuten jedoch, dass nicht nur das Erleben selbst eine Rolle spielt, sondern auch der Zusammenhang, in dem es auftritt, und die Bedeutung, die Betroffene ihm zuschreiben. Wer während einer Meditation mit solchen Empfindungen rechnet und sie als Teil der Erfahrung versteht, bewertet sie möglicherweise anders als Menschen, die sie nach einem Trauma oder einer anderen belastenden Situation plötzlich und unerwartet erleben.
Da depersonalisationsähnliche Erfahrungen auch im Zusammenhang mit Meditation belastend sein können, schlagen die Autorinnen und Autoren vor, dieses Thema in Meditationskursen und Meditations-Apps stärker zu thematisieren. Ziel sei es, Teilnehmende besser auf solche Erfahrungen vorzubereiten und sie bei Bedarf angemessen zu begleiten.