07.06.26. Ein Jahr nach einer Totgeburt denken die meisten Eltern noch täglich an ihr Kind. Viele betrachten Fotos, besuchen das Grab oder sprechen regelmäßig über ihr verstorbenes Baby. Dabei ging es nicht nur um Erinnerungen an die Schwangerschaft oder die Geburt. Manche Eltern stellten sich vor, wie ihr Kind heute aussehen würde oder welche Eigenschaften es möglicherweise entwickelt hätte.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle schwedische Studie, die den Trauer- und Bewältigungsprozess von Eltern untersucht hat. Dafür wurden neun Elternteile ein Jahr nach einer Totgeburt wissenschaftlich interviewt. Die Forscherinnen interessierten sich insbesondere dafür, wie sich Trauer, Lebensqualität und psychisches Befinden im Laufe der Zeit entwickeln.
Akute Belastung nimmt ab
Die Autorinnen der Studie beschreiben den Trauerprozess als individuell und fortlaufend. Die akute Belastung nahm bei vielen Eltern mit der Zeit ab. Gleichzeitig blieb der Tod des Kindes spürbar. Die Forscherinnen wählten für diesen Zustand das Bild einer „papierdünnen Membran“, die die Wunde ein Jahr danach schütze. Die Verletzung sei nicht verschwunden, aber sie sei etwas weniger offen als unmittelbar nach dem Tod des Kindes.
Die meisten Eltern bewerteten die Zeit mit ihrem verstorbenen Kind nach der Geburt als sehr wichtig. Acht von neun Befragten erinnerten sich positiv daran, ihr Kind im Arm gehalten zu haben. Alle Teilnehmer bezeichneten das Halten, Versorgen und Verabschieden des Kindes als bedeutsam. Einige Eltern äußerten sogar Bedauern darüber, nicht mehr Fotos gemacht oder nicht noch mehr Zeit mit ihrem Kind verbracht zu haben.
Die Ergebnisse stützen damit die in vielen Kliniken etablierte Praxis, Eltern die Möglichkeit zu geben, ihr Kind zu sehen, zu halten und Erinnerungen zu schaffen.
Eine Erklärung kann entlasten
Für viele Eltern spielte die Frage nach der Ursache des Todes eine große Rolle. Die meisten Befragten hielten es für sehr wichtig zu wissen, warum ihr Kind gestorben war. Wo eine Erklärung fehlte, berichteten manche Eltern von anhaltendem Grübeln, Schuldgefühlen oder Selbstvorwürfen.
Obwohl die meisten Eltern ihre Lebensqualität insgesamt als gut oder sehr gut einschätzten, berichtete mehr als die Hälfte weiterhin von psychischen Belastungen. Einige nahmen ein Jahr nach der Totgeburt noch professionelle Unterstützung durch Psychologinnen, Beraterinnen oder Seelsorgende in Anspruch.
Mehrere Teilnehmerinnen waren zum Zeitpunkt der Befragung erneut schwanger oder hatten inzwischen ein weiteres Kind bekommen. Die neue Schwangerschaft wurde häufig von Sorgen und Ängsten begleitet. Die Eltern wünschten sich in diesem Fall eine engmaschige Betreuung, zusätzliche Untersuchungen und Fachkräfte, die ihre Erfahrungen mit der vorangegangenen Totgeburt ernst nehmen.
Quelle:
Höglund, B. & Hildingsson, I. (2026). Parental grief and recovery after the stillbirth: An interview study with parents in Sweden one year after stillbirth. European Journal of Midwifery, 10(March). https://doi.org/10.18332/ejm/219001