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Mann hält Handy mit TikTok

Psy­chi­sche Gesund­heit auf Tik­Tok: Stu­die warnt vor Fehl­in­for­ma­tio­nen

Mann hält Handy mit TikTok
Nitish Gupta, Pix­a­bay

20.05.26. Tik­Tok ist für vie­le Men­schen längst mehr als nur eine Unter­hal­tungs­platt­form. Vor allem jun­ge Nut­ze­rin­nen und Nut­zer infor­mie­ren sich dort zuneh­mend über psy­chi­sche Gesund­heit, mög­li­che Sym­pto­me und psy­chi­sche Erkran­kun­gen. Doch eine aktu­el­le Stu­die der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen und der LVR-Uni­ver­si­täts­kli­nik Essen zeigt: Vie­le deutsch­spra­chi­ge Inhal­te zu psy­chi­schen Erkran­kun­gen sind fach­lich pro­ble­ma­tisch, stark ver­ein­facht oder schlicht falsch.

Die For­schen­den ana­ly­sier­ten 177 deutsch­spra­chi­ge Tik­Tok-Vide­os mit ins­ge­samt rund 94 Mil­lio­nen Auf­ru­fen. Unter­sucht wur­den die sechs meist­ge­se­he­nen deutsch­spra­chi­gen Hash­tags zu psy­chi­schen Erkran­kun­gen: ADHS, Depres­si­on, Autis­mus, Angst­stö­run­gen, Nar­ziss­mus und Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung (PTBS).

Nur jedes fünf­te Video war fach­lich kor­rekt

Ledig­lich 19,2 Pro­zent der unter­such­ten Vide­os wur­den von den For­schen­den als fach­lich kor­rekt ein­ge­stuft. Dem­ge­gen­über stan­den:

  • 33,3 Pro­zent fal­sche Inhal­te,
  • 18,1 Pro­zent stark ver­ein­fa­chen­de oder über­ge­ne­ra­li­sier­te Dar­stel­lun­gen,
  • sowie 29,4 Pro­zent Vide­os, die aus­schließ­lich per­sön­li­che Erfah­run­gen schil­der­ten, ohne fach­li­che Ein­ord­nung oder medi­zi­ni­sche Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen.

Zu den pro­ble­ma­ti­schen Aus­sa­gen gehör­ten bei­spiels­wei­se Behaup­tun­gen wie „Nar­ziss­ten lie­ben nie­man­den“ oder „Men­schen mit ADHS lie­ben Cha­os“. Auf­fäl­lig war, dass die Qua­li­tät der Inhal­te je nach psy­chi­scher Erkran­kung stark schwank­te.

Beson­ders schlecht schnit­ten Vide­os zum The­ma „Nar­ziss­mus“ ab. Laut Stu­die ent­hiel­ten prak­tisch alle unter­such­ten Vide­os hier­zu Fehl­in­for­ma­tio­nen oder stark ver­ein­fa­chen­de Dar­stel­lun­gen. Vide­os zu PTBS dage­gen wur­den deut­lich häu­fi­ger als kor­rekt bewer­tet.

Fach­leu­te deut­lich zuver­läs­si­ger als „Coa­ches“

Die Qua­li­tät der Vide­os hing auch davon ab, wer die Infor­ma­tio­nen bereit­stell­te. Inhal­te von Ärzt:innen, Psycholog:innen oder Psy­cho­the­ra­peut:innen wur­den in der Stu­die wesent­lich bes­ser bewer­tet – sowohl hin­sicht­lich fach­li­cher Rich­tig­keit als auch bezüg­lich Ver­ständ­lich­keit und wis­sen­schaft­li­cher Qua­li­tät.

Dem­ge­gen­über erwie­sen sich Vide­os von Lai­en oder selbst­er­nann­ten „Coa­ches“ häu­fig als unge­nau, schlecht recher­chiert oder irre­füh­rend.

Risi­ko für fal­sche Selbst­dia­gno­sen

Die For­schen­den war­nen davor, dass Fehl­in­for­ma­tio­nen auf Social Media rea­le Fol­gen haben kön­nen. Men­schen, die sich dort über eige­ne Beschwer­den infor­mie­ren, könn­ten Sym­pto­me falsch ein­ord­nen oder vor­schnell Selbst­dia­gno­sen stel­len. Eben­so bestehe die Gefahr, dass pro­fes­sio­nel­le Hil­fe zu spät in Anspruch genom­men wird.

Gera­de jun­ge Men­schen könn­ten hier­von beson­ders betrof­fen sein, da Tik­Tok vor allem in die­ser Alters­grup­pe inten­siv genutzt wird.

Tik­Tok kann auch posi­ti­ve Funk­tio­nen haben

Gleich­zei­tig beto­nen die For­schen­den, dass sozia­le Medi­en nicht aus­schließ­lich nega­tiv bewer­tet wer­den soll­ten. Platt­for­men wie Tik­Tok könn­ten Betrof­fe­nen durch­aus Raum für Aus­tausch, gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung und das Tei­len per­sön­li­cher Erfah­run­gen bie­ten.

Pro­ble­ma­tisch wer­de es vor allem dann, wenn per­sön­li­che Ein­drü­cke als all­ge­mein­gül­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Fak­ten dar­ge­stellt wür­den.

Quel­le:
Mross, A. L., Taka­ha­shi, H., Koel­ke­beck, K., & Lan­gen­bach, B. P. (2026). Insuf­fi­ci­ent qua­li­ty of men­tal health infor­ma­ti­on on Ger­man-spea­king Tik­Tok: A con­tent ana­ly­sis. Cli­ni­cal Psy­cho­lo­gy in Euro­pe, 8(1), e17279. https://doi.org/10.32872/cpe.17279

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