
26.04.26. Resilienz ist nicht nur eine Frage von Persönlichkeit oder Erfahrung, sondern hängt eng mit der Art und Weise zusammen, wie das Gehirn Informationen verarbeitet. Darauf deuten neuere Studien hin. Resiliente Menschen zeigen demnach eine bessere Fähigkeit, ihre Aufmerksamkeit zu steuern und emotionale Reize zu regulieren.
Unter Stress gelingt es ihnen eher, Reize zu ordnen, Entscheidungen zu treffen und handlungsfähig zu bleiben. Weniger resiliente Menschen fühlen sich dagegen eher durch weniger strukturierte Eindrücke überflutet.
Für Helfende bedeutet dies: Die eigene Handlungsfähigkeit im Einsatz ist nicht nur eine Frage von Erfahrung oder innerer Stärke. Sie hängt auch davon ab, ob es gelingt, unter Belastung Reize zu ordnen, Aufmerksamkeit zu steuern und innere Stabilität aufrechtzuerhalten.
Um ein Missverständnis zu vermeiden: Auch wenn die Arbeitsweise des Gehirns die Resilienz beeinflusst: Menschen haben trotzdem einen Einfluss darauf, wie stark ihre Widerstandsfähigkeit ausgeprägt ist. Das Gehirn ist grundsätzlich anpassungsfähig. Es verändert seine Verbindungen und Funktionsweisen in Abhängigkeit von Erfahrungen, Übung und Bewältigungsprozessen. Fachlich wird dies als Plastizität bezeichnet.
Resilienz kann daher als ein dynamischer Prozess verstanden werden, der sich im Laufe des Lebens entwickelt und durch Erfahrungen, unterstützende Beziehungen und gezielte Strategien gefördert werden kann.
Quelle:
Backhaus, H., Pinzuti, E., Altahini, S., Dietrich, A., Tsutsui, K.-I., Sasaki, T., Kitajo, K., Ruffini, N., Wierczeiko, A., Tevosian, M., Wibral, M., Stroh, A., & Tüscher, O. (2026). A translational neural network mechanism of resilience: Top-down-control and plasticity of the visual cortex relates to resilient outcome and performance. Research, research.1215. https://doi.org/10.34133/research.1215