
27.07.26. Alkoholkonsum erhöht nicht nur das Risiko für Unfälle oder körperliche Erkrankungen, sondern steht auch mit einer höheren Suizidrate in Zusammenhang. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, die Daten aus 30 europäischen Ländern über einen Zeitraum von 30 Jahren ausgewertet hat. Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen weiteren Hinweis darauf, dass Maßnahmen zur Verringerung des Alkoholkonsums auch einen Beitrag zur Suizidprävention leisten können.
Daten aus 30 europäischen Ländern
Für die Studie wurden die jährlichen Suizidraten sowie der durchschnittliche Alkoholkonsum pro Einwohner zwischen 1991 und 2021 miteinander verglichen. Insgesamt flossen Daten aus den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Großbritannien, Norwegen und der Schweiz ein. Dabei berücksichtigten die Forschenden zahlreiche weitere Einflussfaktoren wie Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsleistung oder Bevölkerungsstruktur.
Die Auswertung zeigte: Steigt der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum um einen Liter reinen Alkohol pro Jahr, erhöht sich die Suizidrate statistisch messbar:
- bei Männern um durchschnittlich 0,39 Prozent
- bei Frauen um durchschnittlich 0,59 Prozent
Zwischen Männern und Frauen fanden die Forschenden dabei keinen signifikanten Unterschied. Auch die Finanzkrise ab 2008 oder unterschiedliche Trinkkulturen in den untersuchten Ländern veränderten den Zusammenhang nicht wesentlich.
Ein Liter reiner Alkohol entspricht ungefähr 20 Litern Bier, 8 Litern Wein oder 2,5 Litern Schnaps.
Weniger Alkohol als Ansatzpunkt der Suizidprävention
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Alkohol das Suizidrisiko auf verschiedene Weise erhöhen kann. Kurzfristig können Enthemmung, verminderte Urteilsfähigkeit, Impulsivität und eine Verschlechterung der Stimmung eine Rolle spielen. Langfristig kommen psychische Erkrankungen sowie soziale Belastungen hinzu.
Nach Berechnungen der Forschenden könnten allein in den untersuchten europäischen Ländern rund 615 Suizide pro Jahr verhindert werden, wenn das Ziel der Vereinten Nationen erreicht würde, den durchschnittlichen Alkoholkonsum um 20 Prozent zu senken. Diese Zahl stellt eine Modellrechnung dar und beschreibt keinen nachgewiesenen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
Quelle:
Guo, K., Jiang, H., Shield, K. D., Spithoff, S., & Lange, S. (2025). Association between alcohol consumption per capita and suicide mortality rate across 30 European countries. BMJ Mental Health, 28(1), e302114. https://doi.org/10.1136/bmjment-2025–302114