In der Medizin und der Psychologie gibt es mehrere Modelle, die dabei helfen, anderen Menschen schlechte Nachrichten zu überbringen. Ein Modell, das sich speziell beim Überbringen von Todesnachrichten etabliert hat, ist das GRIEV_ING-Modell (engl. grieving = trauern) von Hobgood et al. (2005).
Cherri Hobgood ist Notfallmedizinerin und Forscherin. Sie und ihr Team entwickelten das Modell für die Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern, um den Ablauf beim Überbringen einer Todesnachricht zu strukturieren.
Im Folgenden wird das Modell vorgestellt und anschließend in die Praxis übertragen. GRIEV_ING – jeder Buchstabe in diesem Namen hat eine Bedeutung. Gleiches gilt für den Unterstrich. Da das Modell aus dem Englischen stammt, stehen die Buchstaben für englische Begriffe:
Gather (Sammeln): Sicherstellen, dass alle wichtigen Angehörigen anwesend sind.
Resources (Ressourcen): Den Zugang zu unterstützenden Angeboten ermöglichen, zum Beispiel zu psychosozialer Unterstützung.
Identify (Identifizieren): Sich klar vorstellen und den eigenen beruflichen Hintergrund nennen. Den Namen der verstorbenen Person eindeutig nennen.
Educate (Informieren): Die Todesursache in verständlicher Weise klar benennen.
Verify (Bekräftigen): Auf beschönigende oder ausweichende Formulierungen verzichten, stattdessen die Realität des Todes bekräftigen und eindeutig benennen.
_ (Raum geben): Eine Pause lassen, damit die Angehörigen die Information aufnehmen und Fragen stellen können.
Inquire (Erkunden): Darauf achten, ob die Angehörigen die wichtigsten Informationen verstanden haben.
Nuts and bolts (Konkrete organisatorische Aspekte): Weitere Abläufe erklären.
Give (Unterstützung geben): Eigene Erreichbarkeit signalisieren und Kontaktdaten anbieten, damit die Angehörigen auch später noch Fragen stellen können.
Modell hilft Ärztinnen und Ärzten bei Überbringung von Todesnachrichten
Hobgood und ihr Team konnten in einer Studie zeigen: Wenn Ärztinnen und Ärzte in der Anwendung dieses Modells geschult waren, stieg ihr Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Todesnachrichten in angemessener Weise überbringen zu können (Hobgood et al., 2005).
Wichtig ist, dass dieses Modell nicht als linearer, unveränderlicher Ablauf verstanden wird. Hobgood selbst bezeichnete es in ihrer Studie als eine „Eselsbrücke“.
Im Kontakt mit den Angehörigen müssen Polizei und Kriseninterventionskräfte individuell auf die Situation vor Ort reagieren und Abläufe sowie ihr Kommunikationsverhalten an die Bedürfnisse der Angehörigen anpassen. Im weiter unten folgenden Abschnitt „Überbringen der Nachricht – ein beispielhafter Ablauf“ wird deutlich, dass es in der Praxis sogar sinnvoll ist, die Reihenfolge der im Modell genannten Punkte leicht zu modifizieren.
Dieses Modell verdeutlicht auch: Das Überbringen einer Todesnachricht ist mehr als ein einzelner Satz. Es ist ein ganzer Prozess – von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Nachbetreuung der Angehörigen (De Leo et al., 2023).