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Krisenintervention in Notfällen

Hinweise für die psychische Erste Hilfe

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Gren­zen pro­fes­sio­nell wah­ren

Wenn Hin­ter­blie­be­ne in einer aku­ten Kri­sen­si­tua­ti­on Unter­stüt­zung erfah­ren, ent­steht häu­fig eine inten­si­ve Form von Kon­takt. Inner­halb kur­zer Zeit wer­den sehr per­sön­li­che The­men ange­spro­chen, star­ke Gefüh­le geteilt und exis­ten­zi­el­le Fra­gen berührt. Für vie­le Betrof­fe­ne ist die­se Begeg­nung von gro­ßer Bedeu­tung.

Gera­de die­se Inten­si­tät kann jedoch dazu füh­ren, dass die Rol­le der Hel­fen­den ver­schwimmt. Kri­sen­in­ter­ven­ti­on ist in ihrem Kern ein zeit­lich begrenz­tes Ange­bot. Sie hat das Ziel, Men­schen in einer aku­ten Aus­nah­me­si­tua­ti­on zu sta­bi­li­sie­ren, Ori­en­tie­rung zu geben und ers­te Hand­lungs­schrit­te zu ermög­li­chen. Sie ist nicht dar­auf ange­legt, eine län­ger­fris­ti­ge Beglei­tung zu erset­zen.

Hel­fen­de soll­ten die­se Rol­le klar defi­nie­ren und sie ein­hal­ten – für sich selbst und für die Hin­ter­blie­be­nen. Das bedeu­tet zunächst, kei­ne unrea­lis­ti­schen Erwar­tun­gen ent­ste­hen zu las­sen. Hin­ter­blie­be­ne erle­ben die Unter­stüt­zung oft als sehr per­sön­lich und zuge­wandt. Dar­aus kann sich die Vor­stel­lung ent­wi­ckeln, dass die­se Form der Beglei­tung fort­ge­setzt wird oder fort­ge­setzt wer­den könn­te. Bleibt dies unaus­ge­spro­chen, ent­steht leicht eine Erwar­tung, die spä­ter nicht erfüllt wer­den kann.

Auf­trag des Ein­sat­zes klar for­mu­lie­ren

Es geht dabei nicht dar­um, Gren­zen betont oder distan­ziert zu for­mu­lie­ren. Viel­mehr genügt es häu­fig, den eige­nen Auf­trag im Ver­lauf des Ein­sat­zes trans­pa­rent zu machen. Wenn deut­lich wird, wel­che Form von Unter­stüt­zung hier ange­bo­ten wird – und wel­che nicht –, ent­steht Klar­heit, ohne dass Nähe ver­lo­ren geht („Frau Gloß, wir blei­ben bei Ihnen, bis Ihre Ange­hö­ri­gen ein­ge­trof­fen sind.“).

Pro­fes­sio­nel­le Abgren­zung bedeu­tet nicht, sich emo­tio­nal zurück­zu­hal­ten. Hel­fen­de kön­nen zuge­wandt, prä­sent und mit­füh­lend sein – und gleich­zei­tig ihre Rol­le wah­ren. Nähe und Abgren­zung schlie­ßen sich nicht aus. Sie sind zwei Sei­ten der­sel­ben pro­fes­sio­nel­len Hal­tung.

Eine wich­ti­ge Grund­la­ge dafür sind kla­re team­in­ter­ne Rege­lun­gen. Wenn im Team abge­stimmt ist, wel­chen Umfang die Unter­stüt­zung hat, wie Über­gän­ge gestal­tet wer­den und wo Gren­zen gezo­gen wer­den, ent­steht Sicher­heit im Ein­satz­all­tag. Hel­fen­de müs­sen in der kon­kre­ten Situa­ti­on nicht impro­vi­sie­ren, son­dern kön­nen sich auf eine gemein­sam getra­ge­ne Hal­tung stüt­zen.

Gren­zen sind wich­tig für Gesund­heit von Hel­fen­den

Pro­fes­sio­nel­le Gren­zen haben auch eine Schutz­funk­ti­on für die Hel­fen­den selbst. Ein­sät­ze in der Kri­sen­in­ter­ven­ti­on sind häu­fig emo­tio­nal for­dernd. Die Begeg­nung mit Tod, Trau­er und Aus­nah­me­si­tua­tio­nen kann nach­wir­ken – manch­mal unmit­tel­bar, manch­mal zeit­ver­setzt. Wenn Hel­fen­de dau­er­haft über ihre Gren­zen hin­aus­ge­hen oder ihre Rol­le aus­wei­ten, steigt die Gefahr, dass sich Belas­tun­gen auf­bau­en und Hel­fen­de lang­fris­tig über­for­dern.

Gren­zen zu wah­ren bedeu­tet daher auch, die eige­ne Belast­bar­keit ernst zu neh­men. Es bedeu­tet, wahr­zu­neh­men, was ein Ein­satz mit einem selbst macht, und dar­auf zu reagie­ren. Dazu gehört auch die Nach­be­rei­tung im Team. Kur­ze Gesprä­che nach dem Ein­satz oder struk­tu­rier­te Nach­be­spre­chun­gen bie­ten die Mög­lich­keit, Ein­drü­cke zu sor­tie­ren, emo­tio­na­le Reak­tio­nen ein­zu­ord­nen und sich gegen­sei­tig zu ent­las­ten. Sie tra­gen dazu bei, dass das Erleb­te nicht iso­liert bleibt.

Pro­fes­sio­nel­les Han­deln in der Kri­sen­in­ter­ven­ti­on bewegt sich immer in einem Span­nungs­feld: zwi­schen Nähe und Distanz, zwi­schen Enga­ge­ment und Begren­zung, zwi­schen Mit­ge­fühl und Selbst­schutz. Die­ses Span­nungs­feld lässt sich nicht durch fes­te Regeln auf­lö­sen. Es erfor­dert Auf­merk­sam­keit, Refle­xi­on und die Bereit­schaft, die eige­ne Rol­le immer wie­der neu zu klä­ren.

Am Ende geht es nicht dar­um, mög­lichst viel zu leis­ten, son­dern dar­um, das Rich­ti­ge in einem begrenz­ten Rah­men zu tun – und die­sen Rah­men bewusst zu gestal­ten. Nur so kön­nen Hel­fen­de die­ser for­dern­den Auf­ga­be dau­er­haft nach­ge­hen, ohne selbst dar­an zu lei­den – und Men­schen wie Frau Gloß in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen ange­mes­sen unter­stüt­zen.

Sei­te 14/14

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