Wie bereits erwähnt, sind Hinterbliebene in den ersten Stunden nach einem Todesfall oft nicht zu 100 Prozent aufnahmefähig. Hinweise und Informationen, die sie von Helfenden lediglich verbal erhalten, können sie wieder vergessen. Daher ist es sinnvoll, ihnen auch schriftliches Informationsmaterial zu übergeben, auf das sie später noch zurückgreifen können.
Das Material kann Struktur geben, Sicherheit vermitteln und helfen, die nächsten Schritte einzuordnen. Gleichzeitig birgt es ein Risiko: In einer Situation akuter Belastung kann Information auch überfordern. Für Helfende entsteht daraus die Aufgabe, Informationen nicht einfach weiterzugeben, sondern sie bewusst zu dosieren.
Auf wichtige Informationen konzentrieren
Das bedeutet zunächst, Informationsübermaß zu vermeiden. Mehr Information bedeutet nicht automatisch mehr Hilfe. Eine Fülle von Hinweisen, Erklärungen oder organisatorischen Details kann das Gefühl verstärken, dass alles gleichzeitig erledigt werden muss. Statt Orientierung entsteht dann schnell Überforderung.
Hilfreich ist es daher, sich an dem zu orientieren, was im Moment tatsächlich relevant ist. Oft genügt ein einzelner nächster Schritt. Alles Weitere kann zu einem späteren Zeitpunkt besprochen werden.
Ein Beispiel aus der Praxis: Frau Gloß fragt, was jetzt zu tun sei. Statt eine vollständige Abfolge aller anstehenden Aufgaben zu erklären, kann es hilfreicher sein zu sagen: „Im Moment ist es wichtig, dass jemand bei Ihnen ist. Alles Weitere klären wir Schritt für Schritt.“ Diese Form der Reduktion schafft Entlastung, ohne notwendige Informationen vorzuenthalten. Manchmal kann die Reduktion von Information eine der wirksamsten Formen der Unterstützung sein.
Orientierungshilfe für den Trauerfall
Als besonders hilfreich haben sich Checklisten erwiesen, auf denen für Hinterbliebene zusammengefasst ist, welche Aufgaben sowohl unmittelbar nach dem Tod eines Angehörigen auf sie zukommen können – aber auch in den Tagen und Wochen danach. Solche Listen vermitteln auf mehreren Ebenen Sicherheit. Hinterbliebene haben so nicht mehr das Gefühl, sie könnten wichtige organisatorische Belange übersehen oder vergessen haben. Außerdem vermittelt eine gut gemachte Liste die Sicherheit, dass nicht alles sofort organisiert und erledigt werden muss, sondern dass einige Dinge Zeit haben.
Der große Vorteil einer solchen Liste ist, dass die Hinterbliebenen sie auch in den Tagen und Wochen nach dem Todesfall immer wieder herausholen und sich daran orientieren können. Helfende, die mit einer solchen „Gedächtnisstütze“ arbeiten, agieren damit auf einer sehr praktischen Ebene vorausschauend.
In der Literatur existieren viele solcher Orientierungslisten, die unterschiedlich lang und detailliert sind. Auch die Tonalität ist von Quelle zu Quelle verschieden. Manche sind umgangssprachlich gehalten, andere klingen sehr formell und bürokratisch, wieder andere wirken direktiv im Sinne von „Dieses und jenes ist zu erledigen.“
Unterschiedliche Formen von Orientierungshilfen
Auch auf der Website dieses Buches steht eine Liste druckfertig und kostenlos zum Download bereit. Diese Orientierungshilfe ist zeitlich gegliedert. Sie ist in einer einfachen Sprache formuliert und verzichtet auf amtliche Formulierungen. Zudem sind bewusst entlastende Hinweise eingearbeitet, die die Hinterbliebenen darauf hinweisen, dass sie sich mit bestimmten Dingen Zeit lassen können, dass das Gefühl von Überforderung normal sein kann und dass es legitim ist, sich Unterstützung zu holen.
Jede dieser Listen hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb soll an dieser Stelle nicht der Eindruck entstehen, dass die Orientierungshilfe dieses Handbuchs allen anderen überlegen ist. Sie ist ein Angebot von mehreren, auf das Sie für Ihre Arbeit gerne zurückgreifen können.
Orientierungshilfe gemeinsam anschauen
Wichtig ist dabei, wie solche Materialien eingesetzt werden. Eine Liste entfaltet ihre Wirkung nicht allein durch ihre Existenz, sondern durch ihre Einbettung in die Situation. Wird sie überreicht mit den Worten „Da können Sie später mal drauf schauen“, bleibt ihre entlastende Funktion zunächst oft ungenutzt.
Wird sie dagegen kurz gemeinsam angesehen oder in ihren Grundzügen erklärt, entsteht ein anderer Effekt: Hinterbliebene wissen, dass es eine Orientierung gibt, auf die sie später zurückgreifen können. Allein dieses Wissen kann bereits entlastend wirken, auch wenn sie sich die Details der Liste zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einprägen können.
Gleichzeitig gilt: Eine Orientierungshilfe ist kein Standardinstrument, das in jedem Einsatz eingesetzt werden muss. In Situationen starker emotionaler Überforderung, bei deutlichen Anzeichen von Überlastung oder wenn Hinterbliebene signalisieren, dass sie sich im Moment nicht mit organisatorischen Fragen befassen möchten, kann es sinnvoll sein, auf ihre Nutzung zu verzichten oder sie auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
Information muss in dieser Phase nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich passend sein.