In den vergangenen Jahren haben sich in Deutschland nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt pro Jahr etwa 10.000 Menschen das Leben genommen. Um genauer zu sein: Seit dem Jahr 2004 bewegt sich die Zahl der Menschen, die Suizid begehen, zwischen 9.000 und 11.000 pro Jahr. Das sind vergleichsweise viele. Durch tödliche Verkehrsunfälle sterben etwa ein Drittel so viele Menschen.
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Suizidrate nicht in den dunklen Monaten vor Weihnachten besonders hoch. Über die vergangenen Jahre hinweg war den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen, dass im Frühjahr und Sommer leicht höhere Suizidzahlen zu verzeichnen sind als im Herbst und Winter (Statistisches Bundesamt, 2025).
Leidensdruck für depressive Menschen im Sommer höher
Viele Menschen sind davon überrascht, weil sie davon ausgehen, dass die Zahlen im Winter höher sind – speziell vor Weihnachten. Für diesen Trugschluss gibt es zwei Erklärungsansätze. Ein Grund für dieses scheinbar überraschende Ergebnis dürfte darin liegen, dass sich Schätzungen zufolge 40 bis 60 Prozent der Personen, die Suizid begehen, zum Zeitpunkt dieser Handlung in einer depressiven Episode oder in der Genesungsphase befinden (Stolberg et al., 2002). Für depressive Menschen dürfte der Leidensdruck höher sein, wenn die Menschen um sie herum im Frühjahr und Sommer gut gelaunt sind. Der von Depressiven wahrgenommene Kontrast zur eigenen, negativen Stimmung, ist größer. Sie haben das Gefühl, die ganze Welt sei gut drauf, nur sie selbst nicht. Dadurch dürfte die Suizidgefahr bei Depressiven in den „Gute-Laune-Monaten“ etwas höher sein.
Eigene Wahrnehmung verzerrt
Ein weiterer Grund dürfte in unserer verzerrten Wahrnehmung liegen. Über Suizid wird generell wenig berichtet (siehe Abschnitt „Suizid und Medien“). Wenn ein Fall dennoch an die Öffentlichkeit gelangt, macht es mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Unterschied, wann wir davon hören. Im Sommer – wenn wir gut gelaunt sind – vergessen wir diese Nachricht schnell wieder. Im Winter, speziell in der Vorweihnachtszeit, wenn wir womöglich selbst ein wenig melancholisch sind, nehmen wir uns solche Nachrichten eher zu Herzen und nehmen die Nachricht damit eher wahr als im Sommer.
Suizide in Zahlen
Im Jahr 2023 beendeten 10.300 Menschen ihr Leben durch einen Suizid. Das waren 1,8 % mehr Fälle als im Vorjahr und 6,6 % mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Verteilung zwischen Männern (73 %) und Frauen (27 %) ist dabei relativ konstant geblieben. Auffällig ist, dass der Anstieg der Suizide im Jahr 2023 vor allem auf eine Zunahme bei den Frauen zurückzuführen ist (+8,0 %), während es bei den Männern einen leichten Rückgang gab (-0,3 %). An den Todesursachen insgesamt machten Suizide ähnlich wie in den Vorjahren einen Anteil von 1,0 % aus. (Statistisches Bundesamt, 2025)
