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Krisenintervention in Notfällen

Hinweise für die psychische Erste Hilfe

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Belas­tung für Über­brin­gen­de

Das Über­brin­gen einer Todes­nach­richt ist nicht nur für die Emp­fän­ger eine gro­ße Belas­tung, son­dern auch für die Über­brin­gen­den. In der Lite­ra­tur ist gut doku­men­tiert, unter wel­chem Druck sie beim Über­brin­gen einer Todes­nach­richt ste­hen. Im Mit­tel­punkt ste­hen dabei häu­fig Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten, weil sie Todes­nach­rich­ten im außer­kli­ni­schen Bereich for­mell über­brin­gen. Die Belas­tun­gen betref­fen jedoch auch ande­re Berufs­grup­pen und Hel­fen­de, die an sol­chen Situa­tio­nen betei­ligt sind.

In einer Stu­die unter ita­lie­ni­schen Poli­zei­be­am­ten, Ärz­tin­nen und Ärz­ten sowie Pfle­ge­kräf­ten berich­te­ten Teil­neh­men­de von deut­li­chen kör­per­li­chen Reak­tio­nen beim Über­brin­gen der Nach­richt. Sie zit­ter­ten, schwitz­ten, hat­ten Herz­klop­fen, einen „Kloß im Hals“ oder ihnen wur­de übel (De Leo et al., 2022). Ein Teil der Befrag­ten gab zudem an, wäh­rend oder nach der Mit­tei­lung geweint zu haben, ohne dies kon­trol­lie­ren zu kön­nen.

In einer Unter­su­chung zur beruf­li­chen Belas­tung von Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten kamen Sen­ne­kamp und Mar­tin (2003) zu dem Ergeb­nis, dass die­se das Über­brin­gen einer Todes­nach­richt als ähn­lich belas­tend emp­fan­den wie einen Schuss­wech­sel mit Straf­tä­tern oder die Kon­fron­ta­ti­on mit ster­ben­den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, ver­ge­wal­tig­ten Frau­en, toten Kin­dern, Ver­bren­nungs­op­fern und ver­wes­ten Lei­chen.

Lang­fris­ti­ge Aus­wir­kun­gen

Die­se Bei­spie­le machen deut­lich, dass sich die Erin­ne­run­gen an die­se Momen­te nicht nur bei den Emp­fän­gern, son­dern auch bei den Ein­satz­kräf­ten ein­prä­gen. Wie lan­ge sol­che Ein­sät­ze nach­wir­ken kön­nen, ver­deut­licht das Buch Guten Tag, sind Sie die Wit­we Mei­er?.

Dar­in beschreibt Hajo Lehr, ein ehe­ma­li­ger Poli­zist, meh­re­re Situa­tio­nen, in denen er gemein­sam mit sei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen Todes­nach­rich­ten über­brach­te. Sei­ne Moti­va­ti­on, das Buch zu schrei­ben, erklärt er im Vor­wort:

„Es ist für mich, nach über 40 Jah­ren Poli­zei­dienst an der Basis, eine Auf­ar­bei­tung von Erin­ne­run­gen, die mich immer wie­der ein­ho­len und auch nach lan­ger Zeit – sogar jetzt im Ruhe­stand – nicht los­las­sen“ (Lehr, 2018, S. 5).

Beim Über­brin­gen einer Todes­nach­richt wer­den Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten in der Regel nicht kör­per­lich bedroht. Dass sie die­se Ein­sät­ze den­noch als der­art belas­tend erle­ben, liegt dar­an, „dass wir uns in die­sen Situa­tio­nen nicht weh­ren kön­nen. Wenn uns jemand kör­per­lich angreift, haben wir unse­re Mit­tel, zum Bei­spiel einen Schlag­stock oder das Pfef­fer­spray. Und wir haben gelernt, die­se Mit­tel ein­zu­set­zen. Aber gegen die Emo­tio­nen von Ange­hö­ri­gen in sol­chen Momen­ten kön­nen wir uns nicht weh­ren“, erklärt der Poli­zei­spre­cher.

Sei­te 7/9

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