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Krisenintervention in Notfällen

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Umgang mit Belas­tung

Wie die Über­brin­gen­den selbst mit die­ser Belas­tung umge­hen, ist sehr unter­schied­lich. In der ita­lie­ni­schen Stu­die von De Leo et al. (2022) berich­te­ten vie­le Teil­neh­men­de, kei­ne geziel­ten Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien ein­ge­setzt zu haben. Ein Teil der Befrag­ten beschrieb einen eher ver­mei­den­den Umgang, etwa durch emo­tio­na­len Rück­zug oder das bewuss­te Wei­ter­funk­tio­nie­ren im All­tag.

Kurz­fris­tig kann es hel­fen, sich emo­tio­nal von die­ser schwie­ri­gen Situa­ti­on zu distan­zie­ren. Die­se Stra­te­gie dient als Selbst­schutz und hält kurz­fris­tig hand­lungs­fä­hig. Dau­er­haft kann sie jedoch pro­ble­ma­tisch wer­den.

Eine Stu­die unter süd­afri­ka­ni­schen Ein­satz­kräf­ten deu­tet dar­auf hin, dass sie zynisch wer­den kön­nen oder sich emo­tio­nal distan­zie­ren, um sich vor chro­ni­scher emo­tio­na­ler Belas­tung zu schüt­zen. Gleich­zei­tig ste­hen aus­ge­präg­te zyni­sche Hal­tun­gen in Zusam­men­hang mit erhöh­ter Erschöp­fung sowie Sym­pto­men von Angst und Depres­si­on (Pad­man­ab­ha­nun­ni & Pre­to­ri­us, 2024).

Aus gesund­heit­li­cher Sicht spre­chen die Befun­de daher für ande­re For­men des Umgangs mit die­sen Erleb­nis­sen. In der Stu­die von De Leo et al. (2022) gab ein Teil der Teil­neh­men­den an, dass er sich durch Sport oder Hob­bys ent­las­tet oder Zeit für sich genom­men hat.

Als beson­ders hilf­reich emp­fan­den die Ein­satz­kräf­te:

Gesprä­che mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen

Gesprä­che mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen kön­nen hel­fen, belas­ten­de Ein­drü­cke ein­zu­ord­nen und emo­tio­nal nicht mit ihnen allein zu blei­ben. Beson­ders ent­las­tend kann es sein, mit Men­schen zu spre­chen, die ähn­li­che Situa­tio­nen selbst erlebt haben und die damit ver­bun­de­nen Gefüh­le nach­voll­zie­hen kön­nen. Dabei geht es häu­fig weni­ger um eine aus­führ­li­che Ana­ly­se des Ein­sat­zes als um das Gefühl, ver­stan­den zu wer­den und die eige­ne Reak­ti­on als nach­voll­zieh­bar erle­ben zu dür­fen.

Außer­dem kön­nen Gesprä­che dabei hel­fen, belas­ten­de Bil­der oder Gedan­ken sprach­lich zu ord­nen. Das kann ver­hin­dern, dass Ein­sät­ze gedank­lich immer wie­der unstruk­tu­riert „im Kopf krei­sen“.

Emo­tio­na­le Unter­stüt­zung

Emo­tio­na­le Unter­stüt­zung kön­nen Ein­satz­kräf­te durch Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, Freun­din­nen und Freun­de, Part­ne­rin­nen und Part­ner oder Fami­li­en­mit­glie­der erfah­ren. Vie­le Ein­satz­kräf­te erle­ben es als ent­las­tend, wenn sie nach sol­chen Ein­sät­zen nicht funk­tio­nie­ren müs­sen, son­dern auch eige­ne Betrof­fen­heit zei­gen dür­fen.

Unter­stüt­zung bedeu­tet dabei nicht zwangs­läu­fig, aus­führ­lich über den Ein­satz zu spre­chen. Oft reicht bereits das Gefühl, nicht allein zu sein und Ver­ständ­nis zu erfah­ren.

Sport

Vie­le Ein­satz­kräf­te erle­ben Sport als Mög­lich­keit, inne­re Anspan­nung abzu­bau­en. Kör­per­li­che Akti­vi­tät kann hel­fen, Stress­re­ak­tio­nen wie Unru­he, Anspan­nung oder Grü­beln zu redu­zie­ren.

Zudem rich­tet Sport die Auf­merk­sam­keit zeit­wei­se auf den eige­nen Kör­per und auf kon­kre­te Hand­lun­gen. Dadurch kann eine gewis­se Distanz zu belas­ten­den Gedan­ken ent­ste­hen, ohne dass die­se dau­er­haft ver­drängt wer­den müs­sen.

Hob­bys

Hob­bys kön­nen hel­fen, nach belas­ten­den Ein­sät­zen wie­der Kon­takt zu Berei­chen des Lebens her­zu­stel­len, die nichts mit Tod, Kri­sen oder Leid zu tun haben. Vie­le Men­schen erle­ben krea­ti­ve oder prak­ti­sche Tätig­kei­ten als sta­bi­li­sie­rend, weil sie Kon­zen­tra­ti­on, Struk­tur oder posi­ti­ve Gefüh­le för­dern.

Sol­che bewuss­ten Gegen­po­le zum Ein­satz­ge­sche­hen kön­nen wich­tig sein, damit belas­ten­de Erfah­run­gen nicht den gesam­ten All­tag bestim­men.

Zeit mit ver­trau­ten Men­schen

Zeit mit nahe­ste­hen­den Men­schen kann emo­tio­na­le Nähe, Nor­ma­li­tät und Sicher­heit ver­mit­teln. Gera­de nach Ein­sät­zen, in denen Tod, Ver­zweif­lung oder mas­si­ve emo­tio­na­le Reak­tio­nen eine Rol­le gespielt haben, kann der Kon­takt zu ver­trau­ten Men­schen sta­bi­li­sie­rend wir­ken.

Zugleich kann der gemein­sa­me All­tag dabei hel­fen, inner­lich wie­der Abstand zum Ein­satz zu gewin­nen.

Bewuss­te Erho­lungs­pha­sen

Belas­ten­de Ein­sät­ze füh­ren häu­fig zu anhal­ten­der inne­rer Anspan­nung. Bewuss­te Erho­lungs­pha­sen kön­nen hel­fen, dem Kör­per und der Psy­che Zeit zur Rege­ne­ra­ti­on zu geben. Dazu kön­nen Ruhe, Schlaf, Spa­zier­gän­ge, Zei­ten ohne stän­di­ge Erreich­bar­keit oder bewusst ein­ge­plan­te Pau­sen gehö­ren. Sol­che Pha­sen sind eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung dafür, dau­er­haft arbeits­fä­hig zu blei­ben.

Wel­che Stra­te­gien sind beson­ders hilf­reich?

Die genann­ten Stra­te­gien unter­schei­den sich hin­sicht­lich ihrer Wirk­wei­se. Eini­ge ver­fol­gen einen kon­fron­ta­ti­ven Ansatz (Gesprä­che mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, emo­tio­na­le Unter­stüt­zung), ande­re eher einen ablen­ken­den oder rege­ne­ra­ti­ven Ansatz (Sport, Hob­bys, Zeit mit ver­trau­ten Men­schen und bewuss­te Erho­lungs­pha­sen).

Die Kom­bi­na­ti­on die­ser bei­den Ansät­ze hat sich als sehr wirk­sam erwie­sen. Gesprä­che ermög­li­chen die Ver­ar­bei­tung des Erleb­ten. Gleich­zei­tig bleibt Raum für bewuss­te Ablen­kung.

Pro­ble­ma­tisch wird Ablen­kung erst dann, wenn sie dau­er­haft ange­wen­det wird und kei­ner­lei Ver­ar­bei­tung mehr statt­fin­det.

Ein Mythos im Umgang mit Belas­tun­gen ist, dass Pro­fes­sio­na­li­tät im Kon­text sol­cher Ein­sät­ze gleich­be­deu­tend sein soll mit „nichts füh­len“. Aller­dings ist nicht das Unter­drü­cken oder Igno­rie­ren eige­ner Emo­tio­nen pro­fes­sio­nell, son­dern die Fähig­keit, trotz eige­ner Betrof­fen­heit hand­lungs­fä­hig zu blei­ben.

In der Auf­ar­bei­tung danach ist es nicht das Ziel, belas­ten­de Ein­sät­ze voll­stän­dig zu ver­ges­sen, son­dern einen Umgang zu fin­den, mit die­sen Erin­ne­run­gen leben zu kön­nen, ohne dar­an zu zer­bre­chen.

Gene­rell gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten, mit Belas­tun­gen durch sol­che, aber auch ande­re Ein­sät­ze umzu­ge­hen. Das The­ma ist so umfang­reich, dass dazu eige­ne Kapi­tel geplant sind.

Sei­te 8/9

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