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Krisenintervention in Notfällen

Hinweise für die psychische Erste Hilfe

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All­ge­mei­ne Hand­lungs­op­tio­nen

Unab­hän­gig davon, wie alt ein Kind oder Jugend­li­cher ist, gibt es eini­ge grund­le­gen­de Aspek­te, die beim Umgang mit trau­ern­den jun­gen Men­schen beach­tet wer­den soll­ten.

  • Ehr­lich sein: Kin­der spü­ren, wenn etwas nicht stimmt. Aus­wei­chen­de oder ver­harm­lo­sen­de For­mu­lie­run­gen ver­wir­ren sie und kön­nen zu Ängs­ten füh­ren. Auch schwie­ri­ge Wahr­hei­ten dür­fen aus­ge­spro­chen wer­den – in einer Spra­che, die Kin­der ver­ste­hen kön­nen.
  • Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons­hel­fe­rin­nen und ‑hel­fer, die das zu betreu­en­de Kind nicht ken­nen, kön­nen mit Fra­gen her­aus­fin­den, wel­ches Todes­ver­ständ­nis es hat: „Wie stellst du dir den Tod vor?“ Es ist sinn­voll, sprach­lich zunächst in die­ser Vor­stel­lungs­welt zu blei­ben.
  • Sicher­heit geben: Kin­der brau­chen das Gefühl, dass sie mit ihren Fra­gen und Gefüh­len nicht allein sind. Sie dür­fen wei­nen, wütend sein, lachen, schwei­gen oder spie­len – alles ist erlaubt. Wich­tig ist, dass sie spü­ren: Ihre Gefüh­le sind in Ord­nung und sie wer­den ernst genom­men.

Eltern dür­fen Schwä­che zei­gen

  • Eige­ne Betrof­fen­heit zei­gen: Erwach­se­ne soll­ten ihren Kin­dern gegen­über ihre Emo­tio­nen zei­gen und ger­ne auch offen kom­mu­ni­zie­ren: „Ich bin trau­rig, aber wir schaf­fen das zusam­men.“ Gera­de jün­ge­re Kin­der schau­en sich im Umgang mit ihrer Trau­er viel von ihren Eltern ab und über­neh­men deren Ver­hal­ten. Ein offe­ner Umgang mit den eige­nen Emo­tio­nen ist also ein wich­ti­ger Lern­pro­zess für das Kind und kann ent­las­tend wir­ken.
  • Erwach­se­ne trös­ten las­sen: Kin­der kön­nen das Bedürf­nis haben, trau­ri­ge Erwach­se­ne zu trös­ten – durch eine Umar­mung, trös­ten­de Wor­te („Alles wird wie­der gut.“) oder ein gemal­tes Bild. Die Erwach­se­nen sind in die­sem Fall oft über­rascht, ver­ste­hen das als einen Rol­len­tausch und wis­sen nicht, wie sie mit die­ser Situa­ti­on umge­hen sol­len. Aus Sicht der Kin­der han­delt es sich dabei jedoch nicht um einen Rol­len­tausch, son­dern um einen Aus­druck der Ver­bun­den­heit und des Mit­ge­fühls.

    Neh­men Erwach­se­ne die­sen Trost an, ver­mit­teln sie dem Kind, dass sei­ne Anteil­nah­me wert­voll ist. Kin­der erle­ben sich dadurch als wirk­sam und hand­lungs­fä­hig, was ihnen Sicher­heit geben kann. Das Kind wird sich über ein elter­li­ches „Dan­ke, das tut mir gut. Du bist gera­de sehr ein­fühl­sam“ sehr freu­en. Wird kind­li­cher Trost dage­gen abge­wehrt („Du brauchst dir um mich kei­ne Sor­gen zu machen.“), kann das beim Kind Ver­un­si­che­rung und sogar Schuld­ge­füh­le ver­ur­sa­chen. Es kann den Ein­druck gewin­nen, falsch gehan­delt oder Gren­zen über­schrit­ten zu haben.
  • Fra­gen zulas­sen: Auch das signa­li­siert Kin­dern Sicher­heit und gibt ihnen das Gefühl, ernst genom­men zu wer­den. Wie bereits erwähnt, stel­len Kin­der oft direk­te oder wie­der­keh­ren­de Fra­gen. Das ist kein Zei­chen von Respekt­lo­sig­keit, son­dern ihr Ver­such, das Unfass­ba­re zu begrei­fen. Die Erwach­se­nen soll­ten ver­su­chen, dafür Ver­ständ­nis auf­zu­brin­gen und gedul­dig auf die Fra­gen ein­zu­ge­hen. Es ist in Ord­nung, auf man­che Fra­gen kei­ne Ant­wort zu wis­sen – auch das darf man ehr­lich sagen.
  • Ritua­le ermög­li­chen: Wenn Kin­der es möch­ten, sol­len sie Abschied neh­men dür­fen – sei es bei der Beer­di­gung, bei einem Geden­k­ri­tu­al oder auf ihre eige­ne Art.

Auf die Beer­di­gung vor­be­rei­ten

  • An der Beer­di­gung teil­ha­ben las­sen: Kin­der soll­ten nicht von vorn­her­ein von Beer­di­gun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den. Sie soll­ten selbst die Wahl haben, ob sie dar­an teil­neh­men möch­ten. Das heißt auch: Eltern soll­ten akzep­tie­ren, wenn Kin­der nicht teil­neh­men möch­ten. Das muss kein Zei­chen von Respekt­lo­sig­keit sein, son­dern der Gedan­ke kann in ihnen ein Gefühl der Über­for­de­rung aus­lö­sen. Ent­schei­det sich das Kind, an der Beer­di­gung teil­zu­neh­men, kann es ein­ge­bun­den wer­den, indem es bei­spiels­wei­se eine Blu­me auf den Sarg legt.

    Wich­tig ist, dass Kin­der gut auf die Beer­di­gung vor­be­rei­tet wer­den. Es ist sinn­voll, mit ihnen vor­her den Ablauf einer Beer­di­gung zu bespre­chen, damit sie wis­sen, was auf sie zukommt. So kön­nen sie die Situa­ti­on bes­ser ein­ord­nen und haben ein Gefühl von Kon­trol­le. Es kann sein, dass Kin­der die Beer­di­gung mit­ten wäh­rend der Zere­mo­nie ver­las­sen wol­len. Die­se Mög­lich­keit soll­te ihnen ein­ge­räumt wer­den. Es ist daher rat­sam, vor­ab zu bespre­chen, wer in die­sem Fall das Kind beglei­ten könn­te. Es soll­te in die­sem Moment nicht allein gelas­sen wer­den – auch wenn es bereits älter ist. Eben­so wenig soll­te es gezwun­gen wer­den, wei­ter gegen sei­nen Wil­len die Zere­mo­nie zu ver­fol­gen.
  • Non­ver­ba­le Signa­le beach­ten: Trau­er zeigt sich bei Kin­dern nicht nur in Wor­ten, son­dern häu­fig auch im Ver­hal­ten. Rück­zug, Wut­an­fäl­le, Schlaf­pro­ble­me oder kör­per­li­che Beschwer­den kön­nen Aus­druck inne­rer Not sein. In sol­chen Fall soll­ten Erwach­se­ne Spiel- oder Gesprächs­an­ge­bo­te machen – gleich­zei­tig aber auch Ver­ständ­nis dafür haben, wenn die Ange­bo­te in die­sem Moment nicht ange­nom­men wer­den. Viel­leicht kommt das Kind spä­ter dar­auf zurück – wenn es bereit dazu ist.
  • Gedul­dig blei­ben: Trau­er ist kein linea­rer Pro­zess. Man­che Kin­der brau­chen viel Zeit, bis sie ihre Gefüh­le zei­gen – bei ande­ren kommt der Schmerz wel­len­ar­tig immer wie­der. Auch lan­ge nach dem Todes­fall kön­nen Trau­er­re­ak­tio­nen auf­tre­ten. Eltern soll­ten dem Kind die Zeit geben, die es braucht.

Sei­te 7/12

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