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Krisenintervention in Notfällen

Hinweise für die psychische Erste Hilfe

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Kin­der zwi­schen 6 und 9 Jah­ren

Um Kin­dern in die­sem Alter den Tod zu erklä­ren, kann an bereits vor­han­de­nes Wis­sen ange­knüpft wer­den. Sie haben oft schon Erfah­run­gen damit gemacht, dass ein Tier gestor­ben oder eine Pflan­ze ein­ge­gan­gen ist: „Weißt du noch, als die Blu­me ein­ge­gan­gen ist? So ähn­lich ist es beim Men­schen.“

Wei­te­re Hand­lungs­op­tio­nen sind:

  • Emo­tio­nen ein­ord­nen: In die­sem Alter kön­nen Kin­der Emo­tio­nen oft bes­ser ver­ste­hen als jün­ge­re Kin­der. Sie wis­sen, was es bedeu­tet, trau­rig zu sein, aber nicht zwin­gend, war­um sie es sind. Sät­ze wie „Du bist trau­rig, weil du Mama ver­misst“ kön­nen hel­fen, die Emo­tio­nen zu begrei­fen. Erwach­se­ne kön­nen erklä­ren, dass Trau­er nach einem Todes­fall ganz nor­mal und erlaubt ist – und dass auch Erwach­se­ne sie ver­spü­ren.
  • Fan­ta­sie­vor­stel­lun­gen kor­ri­gie­ren: Kin­der im Grund­schul­al­ter haben oft noch Vor­stel­lun­gen vom Tod, die nicht mit der Rea­li­tät über­ein­stim­men – etwa, dass der Tote unter der Erde noch atmet oder dort liegt und nur schläft. Sol­che Vor­stel­lun­gen kön­nen mit kla­ren Infor­ma­tio­nen kor­ri­giert wer­den: „Wenn jemand tot ist, dann funk­tio­niert der Kör­per nicht mehr. Man kann dann nicht mehr atmen, essen, lachen oder spie­len.“

Schuld­ge­füh­le kön­nen eine gro­ße Rol­le spie­len

  • Schuld­ge­füh­le neh­men: Soll­ten Erwach­se­ne das Gefühl haben, dass das Kind Schuld­ge­füh­le ent­wi­ckelt hat, soll­ten sie dar­auf ein­ge­hen – wobei der indi­rek­te Weg oft hilf­rei­cher ist als der direk­te. Eine mög­li­che Fra­ge ist: „Weißt du, war­um Oma gestor­ben ist?“ Falls das Kind ver­neint, kön­nen Erwach­se­ne den Grund erklä­ren. Das Kind hat so die Chan­ce, die Zusam­men­hän­ge zumin­dest ober­fläch­lich zu ver­ste­hen – und auch, dass es nichts mit dem Tod sei­ner Oma zu tun hat.

    Mög­li­cher­wei­se müs­sen die­se Gesprä­che so oder in ähn­li­cher Form gedul­dig wie­der­holt wer­den. Kin­der in die­sem Alter kön­nen hart­nä­ckig an Schuld­ge­dan­ken fest­hal­ten. Auch ein kla­res und über die Zeit hin­weg wie­der­hol­tes „Du bist nicht schuld an Omas Tod“ kann Kin­der ent­las­ten. Die kind­li­che Psy­che arbei­tet hier anders als die von Erwach­se­nen, bei denen sol­che Aus­sa­gen eher auf Ableh­nung sto­ßen (sie­he Kapi­tel „Schuld und Schuld­ge­füh­le“).

Auch fol­gen­de Fra­gen sind geeig­net, um ein Gespräch zu eröff­nen: „Man­che Kin­der fra­gen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben, wenn jemand stirbt. Hast du das auch schon gedacht?“ Oder: „Man­che Kin­der den­ken, dass ein Streit oder böse Gedan­ken etwas mit dem Tod zu tun haben könn­ten. Ist das bei dir auch so?“

Weni­ger geeig­net in die­sem Zusam­men­hang ist die direk­te Fra­ge: „Glaubst du, du bist schuld, dass Oma gestor­ben ist?“ Das ist für Kin­der zu direkt for­mu­liert und kann sie über­for­dern. Außer­dem kann die­se Fra­ge sogar den Gedan­ken aus­lö­sen, dass sich Kin­der schul­dig füh­len soll­ten. Auch mit lapi­da­ren Aus­sa­gen kön­nen Kin­der nicht viel anfan­gen. Falls sie äußern, dass sie sich schul­dig am Tod der Oma füh­len, ist ein „Das ist Quatsch“ nicht hilf­reich bei dem Ver­such, ihnen das Schuld­ge­fühl zu neh­men.

  • All­tag und Struk­tu­ren bei­be­hal­ten: Auch in die­sem Alter brau­chen Kin­der ihre Rou­ti­nen. Das schafft Ver­läss­lich­keit und ver­mit­telt Sicher­heit. Daher soll­ten Schu­le, Frei­zeit und Freund­schaf­ten so nor­mal wie mög­lich wei­ter­lau­fen. Es wäre eine falsch ver­stan­de­ne Unter­stüt­zung, wenn Eltern ihr Kind nach einem Todes­fall gene­rell für ein paar Tage nicht in die Schu­le gehen las­sen, um es ver­meint­lich zu schüt­zen oder zu ent­las­ten.

Es gibt jedoch auch Fäl­le, in denen es genau der rich­ti­ge Weg ist, dem Kind ein paar freie Tage zuzu­ge­ste­hen – etwa, wenn es nach dem Todes­fall stark weint, ängst­lich ist oder sich wei­gert, sich von den Eltern zu tren­nen. Ein regu­lä­rer Schul­be­such wür­de dann zu zusätz­li­chem Stress füh­ren. Glei­ches gilt, wenn das Kind kör­per­li­che Reak­tio­nen zeigt, zum Bei­spiel Bauch- oder Kopf­schmer­zen hat oder sich erbricht. In die­sem Fall ist eine Teil­nah­me am Unter­richt schon aus prak­ti­schen Grün­den nicht mög­lich.

Zu Fra­gen und Offen­heit ermu­ti­gen

  • Offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on för­dern: Erwach­se­ne kön­nen Kin­der ermu­ti­gen, Fra­gen zu stel­len oder Gefüh­le zu äußern. Sie soll­ten sie jedoch nicht dazu drän­gen. Es ist sinn­voll, für die­se Gesprä­che einen geschütz­ten und ent­spann­ten Rah­men ohne Zeit­druck zu wäh­len. Ein nie­der­schwel­li­ger Ein­stieg ins Gespräch kann eine Beob­ach­tung sein, die die Eltern gemacht haben. Sie kön­nen zum Bei­spiel fra­gen: „Du hast vor­hin ein Bild gemalt. Zeigst du mir das mal?“ und dar­über ins Gespräch kom­men. Oder: „Du warst die ver­gan­ge­nen bei­den Tage fast nur in dei­nem Zim­mer. Brauchst du im Moment ein biss­chen dei­ne Ruhe?“ Oder: „Bist du trau­rig?“

Im Ver­lauf des Gesprächs kön­nen Eltern dann her­aus­fin­den, was das Kind im Zusam­men­hang mit dem Todes­fall gera­de beschäf­tigt, und ihm anbie­ten, jeder­zeit Fra­gen zu stel­len.

Sei­te 9/12

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