Um Kindern in diesem Alter den Tod zu erklären, kann an bereits vorhandenes Wissen angeknüpft werden. Sie haben oft schon Erfahrungen damit gemacht, dass ein Tier gestorben oder eine Pflanze eingegangen ist: „Weißt du noch, als die Blume eingegangen ist? So ähnlich ist es beim Menschen.“
Weitere Handlungsoptionen sind:
- Emotionen einordnen: In diesem Alter können Kinder Emotionen oft besser verstehen als jüngere Kinder. Sie wissen, was es bedeutet, traurig zu sein, aber nicht zwingend, warum sie es sind. Sätze wie „Du bist traurig, weil du Mama vermisst“ können helfen, die Emotionen zu begreifen. Erwachsene können erklären, dass Trauer nach einem Todesfall ganz normal und erlaubt ist – und dass auch Erwachsene sie verspüren.
- Fantasievorstellungen korrigieren: Kinder im Grundschulalter haben oft noch Vorstellungen vom Tod, die nicht mit der Realität übereinstimmen – etwa, dass der Tote unter der Erde noch atmet oder dort liegt und nur schläft. Solche Vorstellungen können mit klaren Informationen korrigiert werden: „Wenn jemand tot ist, dann funktioniert der Körper nicht mehr. Man kann dann nicht mehr atmen, essen, lachen oder spielen.“
Schuldgefühle können eine große Rolle spielen
- Schuldgefühle nehmen: Sollten Erwachsene das Gefühl haben, dass das Kind Schuldgefühle entwickelt hat, sollten sie darauf eingehen – wobei der indirekte Weg oft hilfreicher ist als der direkte. Eine mögliche Frage ist: „Weißt du, warum Oma gestorben ist?“ Falls das Kind verneint, können Erwachsene den Grund erklären. Das Kind hat so die Chance, die Zusammenhänge zumindest oberflächlich zu verstehen – und auch, dass es nichts mit dem Tod seiner Oma zu tun hat.
Möglicherweise müssen diese Gespräche so oder in ähnlicher Form geduldig wiederholt werden. Kinder in diesem Alter können hartnäckig an Schuldgedanken festhalten. Auch ein klares und über die Zeit hinweg wiederholtes „Du bist nicht schuld an Omas Tod“ kann Kinder entlasten. Die kindliche Psyche arbeitet hier anders als die von Erwachsenen, bei denen solche Aussagen eher auf Ablehnung stoßen (siehe Kapitel „Schuld und Schuldgefühle“).
Auch folgende Fragen sind geeignet, um ein Gespräch zu eröffnen: „Manche Kinder fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben, wenn jemand stirbt. Hast du das auch schon gedacht?“ Oder: „Manche Kinder denken, dass ein Streit oder böse Gedanken etwas mit dem Tod zu tun haben könnten. Ist das bei dir auch so?“
Weniger geeignet in diesem Zusammenhang ist die direkte Frage: „Glaubst du, du bist schuld, dass Oma gestorben ist?“ Das ist für Kinder zu direkt formuliert und kann sie überfordern. Außerdem kann diese Frage sogar den Gedanken auslösen, dass sich Kinder schuldig fühlen sollten. Auch mit lapidaren Aussagen können Kinder nicht viel anfangen. Falls sie äußern, dass sie sich schuldig am Tod der Oma fühlen, ist ein „Das ist Quatsch“ nicht hilfreich bei dem Versuch, ihnen das Schuldgefühl zu nehmen.
- Alltag und Strukturen beibehalten: Auch in diesem Alter brauchen Kinder ihre Routinen. Das schafft Verlässlichkeit und vermittelt Sicherheit. Daher sollten Schule, Freizeit und Freundschaften so normal wie möglich weiterlaufen. Es wäre eine falsch verstandene Unterstützung, wenn Eltern ihr Kind nach einem Todesfall generell für ein paar Tage nicht in die Schule gehen lassen, um es vermeintlich zu schützen oder zu entlasten.
Es gibt jedoch auch Fälle, in denen es genau der richtige Weg ist, dem Kind ein paar freie Tage zuzugestehen – etwa, wenn es nach dem Todesfall stark weint, ängstlich ist oder sich weigert, sich von den Eltern zu trennen. Ein regulärer Schulbesuch würde dann zu zusätzlichem Stress führen. Gleiches gilt, wenn das Kind körperliche Reaktionen zeigt, zum Beispiel Bauch- oder Kopfschmerzen hat oder sich erbricht. In diesem Fall ist eine Teilnahme am Unterricht schon aus praktischen Gründen nicht möglich.
Zu Fragen und Offenheit ermutigen
- Offene Kommunikation fördern: Erwachsene können Kinder ermutigen, Fragen zu stellen oder Gefühle zu äußern. Sie sollten sie jedoch nicht dazu drängen. Es ist sinnvoll, für diese Gespräche einen geschützten und entspannten Rahmen ohne Zeitdruck zu wählen. Ein niederschwelliger Einstieg ins Gespräch kann eine Beobachtung sein, die die Eltern gemacht haben. Sie können zum Beispiel fragen: „Du hast vorhin ein Bild gemalt. Zeigst du mir das mal?“ und darüber ins Gespräch kommen. Oder: „Du warst die vergangenen beiden Tage fast nur in deinem Zimmer. Brauchst du im Moment ein bisschen deine Ruhe?“ Oder: „Bist du traurig?“
Im Verlauf des Gesprächs können Eltern dann herausfinden, was das Kind im Zusammenhang mit dem Todesfall gerade beschäftigt, und ihm anbieten, jederzeit Fragen zu stellen.