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Krisenintervention in Notfällen

Hinweise für die psychische Erste Hilfe

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Todes­ver­ständ­nis bei Kin­dern bis 3 Jah­ren

Kin­der in die­sem Alter sind nicht in der Lage, zwi­schen dem Tod eines Men­schen und des­sen kurz­fris­ti­ger Abwe­sen­heit zu unter­schei­den. Durch ihre star­ke Abhän­gig­keit von ihren Bezugs­per­so­nen erlebt ein Kind in die­sem Alter jede Art von Tren­nung als exis­ten­zi­ell bedroh­lich.

Den­noch neh­men Kin­der in die­sem Alter Ver­än­de­run­gen in ihrer Umwelt wahr. Sie spü­ren die Trau­er ihrer Bezugs­per­so­nen und über­neh­men die­se als ihre eige­ne. Ent­spre­chend reagie­ren Kin­der in die­sem Alter nach einem Todes­fall gereizt, wei­nen und zei­gen ein ver­än­der­tes Schlaf- und Ess­ver­hal­ten. Sie suchen nach der ver­stor­be­nen Per­son und klam­mern sich ver­stärkt an ihre Bezugs­per­so­nen. Außer­dem sind Wut­aus­brü­che mög­lich. Wird die­se Trau­er igno­riert, kann sich das nega­tiv auf die Ent­wick­lung des Kin­des aus­wir­ken (Franz, 2002).

Kin­der zwi­schen 3 und 5 Jah­ren

Für Kin­der in die­sem Alter ist der Tod nicht end­gül­tig. In ihrer Vor­stel­lung kann ein toter Mensch jeder­zeit wie­der leben­dig wer­den. Sie glau­ben also, dass sie den Toten eines Tages wie­der­se­hen wer­den. Das drückt sich zum Bei­spiel dadurch aus, dass Kin­der in die­sem Alter an der Tür war­ten, bis der Ver­stor­be­ne wie­der nach Hau­se kommt (Kaplow et al., 2012). Unab­hän­gig von einem kon­kre­ten Todes­fall ist die­ses Todes­ver­ständ­nis auch im Spiel­ver­hal­ten von Kin­dern gut zu beob­ach­ten. Dabei kann es vor­kom­men, dass im Spiel eine Figur stirbt, kur­ze Zeit spä­ter aber wie­der zum Leben erwacht, als sei nie etwas gesche­hen. Ent­spre­chend locker und unbe­küm­mert gehen die­se Kin­der oft mit dem Tod um.

In die­sem Alter haben Kin­der zudem ein sehr ego­zen­tri­sches Welt­bild. Das heißt: Vie­les, das in ihrem Umfeld pas­siert, bezie­hen sie auf sich selbst. So kann es vor­kom­men, dass sie auch den Tod eines nahen Ange­hö­ri­gen auf sich bezie­hen und sich schul­dig dafür füh­len.

Wer­den Kin­der in die­sem Alter mit einem Todes­fall kon­fron­tiert, beschäf­ti­gen sie sich sehr kon­kret und kör­per­lich mit dem Tod. Sie stel­len häu­fig wie­der­keh­ren­de, sehr direk­te Fra­gen, dar­un­ter auch sol­che, die unbe­hol­fen oder maka­ber wir­ken. Man­che die­ser Fra­gen irri­tie­ren Erwach­se­ne. Dass Kin­der die glei­chen Fra­gen mehr­fach stel­len, ist kei­ne Pro­vo­ka­ti­on, son­dern Aus­druck ihres Ver­suchs, die Infor­ma­tio­nen zu ver­ar­bei­ten. Bei­spie­le für Fra­gen, die Kin­der in die­sem Alter stel­len kön­nen, sind:

• „Wann kommt Opa wie­der zurück?“
• „Wie lan­ge ist man tot?“
• „War ich böse? Ist Papa des­halb tot?“
• „War­um weinst du?“
• „Tut das weh, wenn man gestor­ben ist?“
• „Ist ihm nicht kalt in der Erde?“

Kin­der zwi­schen 6 und 9 Jah­ren

Kin­der in die­ser Alters­klas­se befin­den sich in einer span­nen­den Über­gangs­pha­se im Hin­blick auf ihr Todes­ver­ständ­nis. Die meis­ten begin­nen, den Tod nicht mehr als vor­über­ge­hend zu begrei­fen. Sie erken­nen zuneh­mend, dass der Kör­per nach dem Tod nicht mehr funk­tio­niert. Den­noch ist ihr Ver­ständ­nis noch nicht voll­stän­dig aus­ge­reift.

Was vie­len Kin­dern häu­fig noch unklar ist, ist die bio­lo­gi­sche Ursa­che des Todes. Vie­le Kin­der glau­ben an magi­sche oder sym­bo­li­sche Erklä­run­gen und stel­len sich den Tod in per­so­ni­fi­zier­ter Form vor, etwa als stra­fen­den Sen­sen­mann.

Trau­er und Spiel lösen sich gegen­sei­tig ab

Kin­der zwi­schen sechs und neun Jah­ren kön­nen stark emo­tio­nal auf den Tod reagie­ren. Ihre Trau­er ver­läuft oft in Wel­len. Momen­te inten­si­ver Trau­rig­keit wech­seln sich mit Pha­sen spie­le­ri­scher Unbe­schwert­heit ab. Kin­der in die­sem Alter dosie­ren, wie sehr sie sich mit dem The­ma aus­ein­an­der­set­zen kön­nen. Wird es für sie zu viel, len­ken sie sich durch Spie­len ab. Das soll­te nicht als Zei­chen von Unbe­küm­mert­heit oder Des­in­ter­es­se gewer­tet wer­den, son­dern als Selbst­schutz. Das Spiel nut­zen sie manch­mal auch dazu, sich sym­bo­lisch wie­der mit der ver­stor­be­nen Per­son zu ver­bin­den, zum Bei­spiel, indem sie eine Lei­ter nut­zen, um in den Him­mel zu stei­gen, oder mit einem Spiel­zeug­te­le­fon den Ver­stor­be­nen „anru­fen“ (Alvis et al., 2022).

Schuld­ge­füh­le kön­nen noch auf­tre­ten, jedoch meist in abge­schwäch­ter Form im Ver­gleich zu jün­ge­ren Kin­dern.

Mög­li­che Fra­gen und Aus­sa­gen von Kin­dern in die­ser Alters­grup­pe sind oft ehr­lich, direkt und manch­mal ver­stö­rend für Erwach­se­ne, aber immer Aus­druck eines kind­li­chen Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­ses:

• „Was pas­siert, wenn man stirbt? Fällt man ein­fach um?“
• „War­um ist er gestor­ben? Hat er was falsch gemacht?“
• „Kann man ster­ben, wenn man zu viel weint?“
• „Muss ich auch ster­ben?“
• „War­um hat er mich ver­las­sen?“
• „Ich will, dass Papa wie­der­kommt. Ich ver­spre­che auch, nie wie­der frech zu sein.“
• „Wenn ich das Kuschel­tier mit ins Grab lege, friert er viel­leicht nicht so.“

Bei Kin­dern im Vor­schul- und frü­hen Grund­schul­al­ter ist das Spiel die wich­tigs­te Aus­drucks­form für Trau­er. Kin­der ver­ar­bei­ten Tod, Ver­lust und Emo­tio­nen häu­fig durch Rol­len­spie­le mit Pup­pen, Figu­ren oder ande­ren Mate­ria­li­en. Sie gestal­ten das Spiel bewusst so, dass sie das Ende beein­flus­sen und Gefüh­le wie Angst, Trau­er oder Schuld aus­drü­cken kön­nen – oft ohne Wor­te. Sol­che spie­le­ri­schen Aus­drucks­for­men sind sinn­vol­le Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien: Kin­der holen sich so ein Stück Kon­trol­le zurück, ver­ar­bei­ten Erleb­tes und sor­tie­ren inne­re Bil­der.

Sei­te 3/12

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